Freitag, 12. September 2014

Geschenktes Augenlicht

Am 13. September 2014 denken die Mutter von Alina und ich an die wohl wichtigste Operation im Leben des heute 15-jährigen Mädchens.

Nach einer komplikationslosen Schwangerschaft wurde das aus dem Tiroler Unterland stammende Mädchen am 29. Juli 1999 geboren. Die Freude über das neue Familienmitglied war groß, bis der junge Cousin von Alina feststellte:  „Alina hat doch einen grauen Star." Nach Bestätigung durch den Augenarzt waren Bestürzung und Ratlosigkeit die Folge. Erfahrene Augenärzte wissen: nur eine rasch durchgeführte, durchaus riskante Augenoperation, bei der die getrübten Linsen aus beiden Augen entfernt werden, gibt dem Neugeborenen eine Chance, nicht mit einer so genannten praktischen Erblindung leben zu müssen.

Auf der bis dahin erfolglosen Suche nach einem Operateur, erklärte ich mich bereit, die Staroperation an beiden Augen bei dem nur 6 Wochen alten Säugling durchzuführen. Voraussetzung für die erfolgreiche Operation war, wie auch bei jedem anderen chirurgischen Eingriff, die gewissenhafte Vorbereitung und die Beherrschung der eigens hierfür entwickelten Operationstechnik.

Am Nachmittag des 13. Septembers 1999 konnte ich das nunmehr sehende Kind der glücklichen Mutter in ihre Arme legen.


Alina und ihre Mutter unmittelbar
vor der Staroperation












Seit dieser Zeit darf ich durch jährliche Kontrollen das Glücksgefühl mit Alinas Familie teilen. Alina war vor 15 Jahren das wohl jüngste Kind in Österreich, das im Alter von 6 Wochen wegen eines angeborenen grauen Stars operiert wurde. Heute ist die junge Dame ein sportlicher und musikbegeisterter Teenager mit einem Sehvermögen von jeweils 100 % auf beiden Augen.

Alina unterstützt  "Augenblicke der Hoffnung“










Alina, die von großen Augenproblemen verschont blieb, unterstützt nunmehr unser Projekt: Augenblicke der Hoffnung und ist so der Talisman für viele junge Menschen, die an der so genannten Retinitis pigmentosa erkrankt sind, welche in vielen Fällen  zu einer Erblindung führt.

Alina 15 Jahre danach mit ihrem Augenoperateur














Somit feiert Alina am 13. September, wie ihre Mutter unlängst sagte, ihren "zweiten" Geburtstag, zu dem wir ihr gratulieren.

Es ist nicht nur eine berührende Geschichte eines Mädchens, deren Erblindung im letzten Moment durch eine Augenoperation abgewendet werden konnte. Die Geschichte zeigt auch auf, wie wichtig es ist, Ärzte während ihres Studiums so gut auszubilden, dass sie fachübergreifend imstande sind Gesundheitsrisiken zu erkennen.
Die neue Studienordnung an den medizinischen Hochschulen Österreichs hat nach meiner Meinung wenig dazu beigetragen, da die sogenannten "kleinen Fächer", wie zum Beispiel die Augenheilkunde sträflich vernachlässigt werden. Das Wissen über das Auge und seine Erkrankungen wird durch wenige Prüfungsfragen am Ende des Studiums nur mangelhaft überprüft. Die unvollständigen Kenntnisse über ein Sinnesorgan, das für 80% aller Wahrnehmungen verantwortlich ist, führen unweigerlich zu Fehldiagnosen oder aus Unsicherheit zu einer massiven Zuweisungstätigkeit an ohnehin überlastete Augenärzte und Ambulanzen. Man fragt sich, wie es möglich ist, dass ein Säugling mit einem beidseitigen grauen Star eine Geburtenstation verlassen kann, ohne dass die  angeborene Erkrankung erkannt wird
 

Die Bilddokumente werden mit Genehmigung von Alinas Familie verwendet.

Kommentare:

  1. Wir können uns noch gut an die "kleine Alina" erinnern. Auch wir waren im Herbst 1999 bei Prof. Zirm mit unserem Sohn Florian, damals 2 Jahre.
    Florian war mit einer angeborenen Linsentrübung auf die Welt gekommen, welche erst nach 4 Monaten durch uns selbst entdeckt wurde. Leider ist es dem Kinderarzt bei der Mutter-Kind-Pass-Untersuchung nicht aufgefallen. Sind dann gleich zum Augenarzt, der einen Tumor diagnostizierte. Am nächsten Tag sind wir sofort ins Krankenhaus, wo sich dann herausstellte das es eine Linsentrübung war. Es folgten Operationen. Leider war es bei uns nicht so erfolreich wie bei der kleinen Alina. Wir haben es zu spät entdeckt. Nach einer 2-jährigen Tortur hatte uns dann der zuständige Augenarzt im Krankehaus mitgeteilt, dass weitere Therapien nichts mehr bringen, da die Linsentrübung so stark war, dass Florian am rechten Auge blind bleibe. Wir wollten uns damit nicht abfinden. Bei der damaligen Sendung "Vera" sind wir Auf Prof. Zirm aufmerksam geworden. Wir sind dann im Herbst 1999 nach Innsbruck gefahren. Durch die gute Bertreuung von Prof. Zirm konnte der Augendruck stabil und niedrig gehalten werden, was für die Erhaltung des Sehnerves und das optische Aussehen des Auges wichtig ist.
    Florian ist mittlerweile 17 Jahre alt, und wir fahren nach wie vor zur Kontrolle in die Wiener Ordination.

    Hätte es gleich nach der Geburt eine augenärztliche Untersuchung gegeben, wäre vielleicht Florians Auge heute gesund.

    L.G. Fam. Wüger, Pamhagen

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  2. es ist immer wieder traurig, dass sogenannte Fehldiagnosen gestellt werden. Ach bei den Erwachsenen. die Ärzte haben leider keine Zeit mehr, dem Patienten mehr Zeit zu schenken. ich sehe es jetzt bei meiner Schwiegermutter. sie hat seit über 15 Jahren Schwindel-Attacken. die jetzt so massiv wurden dass sie mit Krämpfen reagiert. Im allen Krankenhäusern wird sie aber als gesund entlassen, denn sie finden nichts. sie Müsse halt damit leben. Kann das sein???

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  3. Ich freue mich für Alina! Gratulation, dass sie sich heute noch engagiert! Betroffen macht mich allerdings, dass Fehldiagnosen durch mangelnde Ausbildungsqualität immer wahrscheinlicher werden. Häufig verzeiht das Auge den entstehenden Zeitverlust nicht… Herzlicher Gruß DI Stefan Constantin

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